24 | 09 | 2018

Der unbeschreibliche Jubel über das gemeinsame Einlaufen der süd- und der nordkoreanischen Delegation hinter der »Einheitsfahne« bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang hallt offenbar nach. Kam es bereits am Rande des sportlichen Großereignisses zu hochrangigen Treffen zur Förderung des Dialogs, so wurde am Dienstag in Seoul angekündigt, der Staatschef der KDVR und sein Amtskollege aus der Republik Korea würden sich Ende April im Grenzort Panmunjom zu Gesprächen treffen.Die hoffnungsvoll stimmende Gipfelankündigung konnte in Seoul vom südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in nach zweitägigen direkten Gesprächen in Pjöngjang verkündet werden, in denen der Norden Moons Sicherheitsberater Chung Eui-yong offenbar deutlich gemacht hat, daß man zu neuen historischen Gipfelgesprächen bereit ist.

Das sah nun nicht nach finsterer stalinistischer Tyrannei aus. Nordkoreas „Army of the Beauties“, eine rund 200-köpfige Cheerleader-Truppe, dürfte es zu einer der meistfotographierten Attraktionen der Olympischen Spiele in Pyeongchang gebracht haben. Die jungen Frauen in ihren dunkelroten, schwarz-abgesetzten Mänteln schafften es locker auf die Titelseiten der Weltpresse. Ebenso Kim Yo-jong, Staatschef Kim Jong-uns jüngere Schwester und Direktorin des Ministeriums für Propaganda und Agitation der Koreanischen Demokratischen Volksrepublik (KDVR), die bei einem Treffen mit Südkoreas Präsident Moon Jea-in im Blue House, dem südkoreanischen Präsidentenpalast, eine Einladung für Moon nach Nordkorea überbrachte.

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Wenn die internationale Politik ein olympischer Wettbewerb wäre, dann wären die Vereinigten Staaten bei ihrem Wettlauf gegen die Demokratische Volksrepublik Korea weit vom Podium entfernt.

Die Winterspiele, die in Südkorea stattfinden, sind Schauplatz einer der kühnsten diplomatischen Schachzüge in der jüngsten Geschichte der Halbinsel, die seit der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts von Konfrontationen geprägt ist.

Es liegt ausnahmsweise einmal nicht nur an den Medien, wenn zum Thema Koreanische Halbinsel innerhalb weniger Tage völlig unterschiedliche Meldungen in die Welt posaunt werden. Es begann unmittelbar vor Eröffnung der Olympischen Winterspiele, als gemeldet wurde, eine hochrangige Delegation aus dem Norden der Halbinsel sei nach Seoul aufgebrochen, um an den Eröffnungsfeierlichkeiten teilzunehmen. Was eigentlich angesichts der verfahrenen Lage als ein außerordentlich gutes Signal anzusehen ist, wurde in den Berichten der bürgerlichen Medien schnell ins Gegenteil verdreht.

Die ganze große Sensation ist ausgeblieben: Bei der U20-Fußball-Weltmeisterschaft in Südkorea hat Venezuela das Endspiel gegen England mit 0:1 verloren.

Venezolanischer FußballverbandVenezolanischer FußballverbandVenezuela hat zum ersten Mal in seiner Geschichte das Endspiel einer Fußball-Weltmeisterschaft erreicht. Bei der U20-WM in Südkorea besiegte die »Vinotinto« heute im Halbfinale Uruguay im Elfmeterschießen mit 4:3.

In Südkorea verboten: Vereinigte Progressive ParteiIn Südkorea verboten: Vereinigte Progressive ParteiAm 5. November 2013 stellte die rechtskonservative Regierung unter Präsidentin Park Geun-Hye einen Antrag auf Verbot einer linken Partei, der Vereinigten Fortschrittspartei (UPP). Nach 18 öffentlichen Verhandlungen erklärte das Verfassungsgericht die UPP für verfassungswidrig. Ihre fünf Abgeordneten im Nationalparlament verloren ihre Mandate, auch das Parteivermögen wurde vom Staat eingezogen. Lee Seok-Ki, früherer Abgeordnete der Nationalen Versammlung Koreas, wurde 2013 in Isolationshaft genommen.

KCTU-Chef Han Sang Gyun. Foto: KCTU / FacebookKCTU-Chef Han Sang Gyun. Foto: KCTU / FacebookEinem Bericht der einzigen konzernunabhängigen südkoreanischen Zeitung »Hankyoreh« zufolge hat die rechtskonservative Präsidentin des ostasiatischen Landes dem inhaftierten Gewerkschaftspräsidenten Han Sang Gyun eine Neujahrskarte geschickt, in dem sie ihm zynisch »viel Glück und Erfolg« wünscht.

Der Vorsitzende des erst 1999 legalisierten zweitgrößten Gewerkschaftsdachverbandes KCTU wurde am 10. Dezember von der südkoreanischen Polizei wegen des Vorwurfs festgenommen, zu »gewalttätigen Manifestationen« gegen die Regierung angestiftet zu haben.

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