21 | 07 | 2018

Aufstand in KirgistanDer offenbar gelungene Sturz der kirgisischen Regierung hat nach neuen offiziellen Angaben mindestens 75 Menschenleben gefordert, rund 1000 Menschen wurden verletzt. Das teilte das kasachische Gesundheitsministerium mit. Oppositionsvertreter hatten zuvor von mehr als 100 Getöteten gesprochen. Nach Massendemonstrationen und gewaltsamen Ausschreitungen, bei denen Soldaten in die Menschenmenge feuerten, war der kirgisiche Staatschef Kurmanbek Bakijew gestürzt worden. Die frühere Außenministerin Rosa Otunbajewa setzte sich am Donnerstag an die Spitze einer neuen »Regierung des Volkes«. Agenturberichten zufolge wurde die Residenz des geflüchteten Präsidenten geplündert. Zahlreiche Menschen durchsuchten das Haus nach Wertgegenständen und trugen Bücher, Heizkörper und Pflanzen aus dem Gebäude. »Guckt euch an, wie die Bakijews gelebt haben", rief ein empörter Demonstrant. »Guckt euch die Diamanten an,  während die Leute nicht genug zum Leben haben.«

Die russische Regierung in Moskau hat die neue »Regierung des Volkes« im Nachbarland unterdessen offenbar anerkannt. Otunbajewa telefonierte einer Meldung von Ria-Nowosti zufolge mit dem russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin und bat diesen wegen der schwierigen Situation um wirtschaftliche Unterstützung. Russland sei bereit, dem zentralasiatischen Land humanitäre Hilfe zu leisten, so Putins Sprecher Dmitri Peskow. Der als provisorischer Verteidigungsminister  eltende Ismail Issakow behauptete am Donnerstag, die Armee und die Grenzschutzbehörde seien mittlerweile auf der Seite der Aufständischen. Auch die Polizei unterstütze die provisorische Regierung, sagte der neue Innenminister Bolotbek  Schernijasow.

Die neuen Machthaber erklärten auch die Behörde für Entwicklung, Investitionen und Innovationen für aufgelöst. Diese von Maxim Bakijew, dem Sohn des gestürzten Präsidenten, geleitete Institution war den Regierungsgegnern besonders verhasst und wurde als die korrupteste Clanstruktur im Land angesehen.

Die neue Regierung vermutet den geflüchteten Präsidenten im westkirgisischen Dschalal-Abad. Dort wolle er seine Anhänger konsolidieren, um den »Widerstand fortzusetzen«. Die Opposition kontrolliere aber inzwischen den größeren Teil des Landes.

In Teheran erklärte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Ramin Mehmanparast, dass die iranische Regierung die Ereignisse in Kirgistan genau verfolge. »Angesichts der freundschaftlichen Beziehungen und guten Zusammenarbeit  unserer Länder fordert Iran eine schnelle Rückkehr der Stabilität in diesem Land und Verhinderung des Blutvergießens und der Gefährdung Sicherheit in der strategisch wichtigen Region Zentralasien«, sagte Mehmanparast.

Der 2005 von Bakijew im Zuge der vom Westen als »Tulpenrevolution« gefeierten Ereignisse gestürzte und heute im Moskauer Exil lebende frühere kirgisische Staatschef Askar Akajew prophezeite seinem Wikdersacher: »Bakijew ist selbst zu diesem Finale gelangt. Das Volk ist heute hart gegen ihn eingesstellt. Ihn erwartet ein trauriges Schicksal, das Schicksal von Ceausescu«, sagte er am Donnerstag der Agentur Ria-Nowosti. Der rumänische Staatschef Ceausescu war nach dem Sturz seiner Regierung erschossen worden. Kein Land werde Bakijew Asyl gewähren, denn er habe »mit keinem Nachbarland gute Beziehungen sichern« können, so Akajew. Selbst der Süden des Landes, wo Bakijews Familie starken Einfluss habe, werde ihn nicht unterstützen, denn auch im Süden sei die  »Proteststimmung« stark: »Ich denke, es wird keinen Bürgerkrieg geben... Das ist das Ende von Bakijews Regime, die Entwicklung ist irreversibel«.

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