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Kategorie: Pakistan

Aufruf: Wir stehen am AnfangZwei Jahre nach der Brandkatastrophe in einer Textilfabrik in Pakistan stellt sich der Hauptabnehmer der dort hergestellten Kleidung – der Modediscounter KiK – weiter stur. Am 11. September 2012 waren im Unternehmen Ali Enterprises in Karachi 254 Menschen getötet worden, 55 wurden verletzt. Aktueller Stand der Verhandlungen zwischen der Kette und Vertretern der Überlebenden und Hinterbliebenen der Katastrophe sei: Soforthilfe: Ja; Entschädigung auf lange Sicht: immer noch nicht.  Darüber informierten die Kampagne für Saubere Kleidung und das europäische Menschenrechtszentrum ECCHR.

 

Im Dezember 2012 hatte sich KiK aufgrund des hohen öffentlichen Drucks vertraglich zu Verhandlungen über langfristige Entschädigungen verpflichtet. Damit soll beispielsweise der dauerhafte Verdienstausfall des Haupternährers einer Familie kompensiert werden. »KiK verschleppt diese Verhandlungen seit fast einem Jahr«, kritisiert Frauke Banse von der Kampagne für Saubere Kleidung, die an den Verhandlungen beteiligt ist. »Bleibt es dabei, müssen juristische Schritte zur Einhaltung des Vertrags folgen.«

Dabei geht es nicht nur um Geld. »Den Betroffenen geht es um Gerechtigkeit. Sie wollen, dass KiK sich endlich der Verantwortung für seine ausländischen Zulieferbetriebe stellt«, sagte Miriam Saage-Maaß vom ECCHR. »Sollten die Verhandlungen erneut scheitern, sind sie bereit, KiK vor einem deutschen Gericht zu verklagen.« Das ECCHR und die Frankfurter Hilfsorganisation medico international unterstützen sechs Familien bei der juristischen Aufarbeitung des Brandes und bei der Vorbereitung einer Klage auf Schadensersatz in Deutschland. Sie trafen sich vergangene Woche in Pakistan mit den Betroffenen, die sich in der Baldia Factory Fire Affectees Association organisiert haben. »KiK wird seine Verpflichtungen nur erfüllen, wenn der öffentliche Druck in Deutschland nicht nachlässt«, sagt Thomas Seibert, Südasien-Koordinator von medico international.

Dazu beitragen wollen jetzt auch die Gewerkschaften. Die Vorsitzenden des DGB, der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und der IG Metall haben anlässlich des zweiten Jahrestages zur Unterzeichnung eines Aufrufs »Wir stehen am Anfang« aufgerufen. Darin fordern die Gewerkschaftsvorsitzenden zu öffentlichem Handeln und konkreter Hilfe für die Arbeiterinnen und Arbeiter der globalen Textilindustrie auf: »Die Kolleginnen und Kollegen an den Nähmaschinen in Süd-  und Südostasien haben Anspruch auf eine angemessene und faire Entschädigung«, so Detlef Wetzel, Vorsitzender der IG Metall. »Sie brauchen dringend bessere  Arbeitsbedingungen und eine anerkannte gewerkschaftliche Vertretung.«

»An den Arbeitsbedingungen in der asiatischen Textilindustrie, die weltweit für Empörung sorgen, hat sich kaum etwas geändert«, ergänzt Reiner Hoffmann, Vorsitzender des DGB. »Würdige Arbeits- und Lebensbedingungen für die Beschäftigten sind nicht in Sicht. Um das zu ändern, braucht es Öffentlichkeit, in den betroffenen Ländern, aber auch und gerade bei uns.«

Die drei Gewerkschaftsvorsitzenden fordern ein deutlich verschärftes Haftungsrecht für deutsche und europäische Unternehmen, die in den Ländern des globalen Südens fertigen lassen. Zugleich rufen sie unter dem Stichwort  »Gewerkschaftshaus Karatschi« zu Spenden für die sozialmedizinische Hilfs- und Menschenrechtsorganisation medico international auf, mit denen medizinische Hilfe, die  Finanzierung von Gerichtsverfahren der Überlebenden und Hinterbliebenen sowie der Ankauf eines Gewerkschaftshauses in Pakistans Industriemetropole Karatschi gewährleistet werden sollen. »Wir tun das nicht, um die Unternehmen aus ihrer Verantwortung zu entlassen, im Gegenteil: Wir wollen Druck machen. Es geht um gute Arbeit und ein gutes Leben, hier wie anderswo«, so der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske.

Wortlaut des Aufrufs: http://medico.de/themen/aktion/textil/dokumente/wir-stehen-am-anfang/4703/

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