Uwe Kalbe über die ersten beiden Kandidaturen für den Linke-Vorsitz

Mit Janine Wissler und Susanne Hennig-Wellsow haben zwei politisch gewichtige Politikerinnen ihre Kandidatur für den Vorsitz der Linken angemeldet. Zwei Frauen, deren Namen bereits einen guten Klang haben in der Partei wie in der Öffentlichkeit.

Weitere Kandidaten werden schon gute Argumente brauchen, der anscheinend idealen Partnerschaft, die sich hier anbahnt, die Überzeugungskraft zu nehmen. Sie dürften es sich nun dreimal überlegen, ob sie ihren Hut in den Ring werfen. Zumal Wissler und Hennig-Wellsow auch alle Anforderungen an den internen Parteiproporz erfüllen: Ost-West-Parität gewahrt, linker Flügel wie Reformer vertreten und die Frauenquote übererfüllt. Dass es eine weibliche Doppelspitze ist, wäre gar ein Zusatzpunkt in der öffentlichen Wahrnehmung und ein kleiner Bonus gegenüber den übrigen Parteien.

Die Vorschusslorbeeren, die eine solche Konstellation regnen lässt, dürften allerdings bald aufgebraucht sein. Am Ende hängt bei der Bundestagswahl im kommenden Jahr wie bei jeder anderen Wahl alles davon ab, welche Motivation die Vorsitzenden der eigenen Partei im Wahlkampf vermitteln, wie sie die unterschiedlichen Flügel ansprechen. Und die Frage der Wähler lautet ohnehin nicht zuerst, welchen Geschlechts die Vorsitzenden sind, sondern warum sie die Linke wählen sollten. Diese Frage ist in der Partei selbst Debatten- und nicht selten Streitgegenstand.

Die Gräben zu überwinden, die hierüber immer wieder aufbrechen, wäre die Aufgabe der Vorsitzenden. Es ist zu früh, den beiden Kandidatinnen hier besondere Eignung oder Erfolgsaussichten zuzusprechen. Auch die Gefahr, in einem dieser Gräben selbst zu verschwinden, ist durchaus real, wie man an den scheidenden Vorsitzenden beobachten konnte. Schon die Reaktionen auf die Kandidaturen selbst dürften erste Indizien für den weiteren Fortgang liefern.

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nd via ots