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Am 16. September tagte der Aufsichtsrat bei Mahle und verkündete neue Spar- und Abbaupläne. Der Automobilzulieferer mit dem Hauptsitz in Stuttgart will mehr als jeden zehnten Arbeitsplatz vernichten, insgesamt fast 8.000 Jobs bei einer weltweiten Belegschaft von 72.000. In Deutschland geht es um 2.000 Stellen, hier ist jede sechste Stelle betroffen. Zum Zeitraum des Abbaus will die Geschäftsleitung noch nichts sagen. Derzeit arbeiten in Deutschland noch knapp 12.000 Kolleginnen und Kollegen, im März 2019 wurde noch von 13.250 Mitarbeitern gesprochen.

Damit verschärft Mahle ein weiteres Mal den Personalabbau, den das Unternehmen seit 2018 schon forciert. Weltweit wurden bereits 6.700 Jobs abgebaut. Bereits vor Corona wurden eine Arbeitsplatzvernichtung von 15 Prozent und die Schließung der Niederlassung in Öhringen mit 240 Beschäftigten beschlossen. Allerdings sind bislang nicht so viele Kolleginnen und Kollegen per Abfindungen gegangen, wie von der Geschäftsleitung geplant. So wird jetzt noch eine Schippe drauf gelegt.

Auf diese Angriffe reagierte die Belegschaft bereits 2019 mit drei Aktionstagen, bei denen die Proteste sowohl bundes- als auch europaweit zusammengefasst wurden. Auch bei der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch der vergangenen Woche bildeten etwa 150 Kolleginnen und Kollegen eine Menschenkette um das Mahle-Behr-Gebäude in Stuttgart-Feuerbach. An anderen Standorten wie in Vaihingen/Enz und Mühlhausen fanden später ähnliche Aktionen statt.

Kritik von Kolleginnen und Kollegen gab es an dem Mobilisierungsflyer „Montags-Mahle“ der Vertrauensleute und Betriebsräte. Er enthalte viele Fragen, aber keine Antworten auf die Probleme und auch keine Zielrichtung eines gemeinsamen Kampfes und sei unverständlich. In der „Mahle-Solidarität Nr. 8“, die von Beschäftigten aus fünf Mahle-Werken herausgegeben wird, werden die Ziele der Geschäftsleitung klar benannt: „Sie reden von Kostenreduzierungen und wollen eigentlich nur eines: Personal entlassen. Seit Anfang 2019 haben sie ihre Salamitaktik angewendet: Abfindungen anbieten, Leute in Altersteilzeit drücken, Abteilungen verlagern. Sie haben beschlossen, Öhringen dichtzumachen und einige Werke im Ausland. Anstatt dies klar zu sehen und auszusprechen, eiern die Betriebsräte rum. Mit dem Vorwand, man wolle nicht die schlechten Nachrichten überbringen, werden Andeutungen gemacht und Scheinfragen an die Geschäftsführung gestellt.“

Als Perspektive wird eingefordert, dass die „Belegschaften ihre Kraft verbinden, bei Mahle und in der ganzen Autoindustrie. Wir können ihnen zeigen, dass sie uns brauchen, durch Ablehnung aller Überstunden, Sonderschichten, Verlagerungsmaßnahmen. Durch Streiks, die jetzt in der kommenden Tarifrunde völlig legal wären. Durch die Besetzung der Betriebe, die sie dichtmachen wollen. Durch Verteilung der Arbeit auf alle, bei vollem Lohn natürlich.“ Von der Belegschaft soll ein Aktionsprogramm entwickelt werden, um die Angriffe abzuwehren.

Beim Metallertreff in Stuttgart, dem örtlichen Forum der Vernetzung für kämpferische Gewerkschaften (VKG), der die Verteilung der „Mahle-Solidarität“ organisiert, wurde mit Kolleginnen und Kollegen aus mehreren Metallbetrieben, darunter viele Mahle-Kollegen, die Situation bei Mahle ausführlich diskutiert. Die Menschenketten, welche gerade in der IGM einen Hype erleben, wurden als eher passive Aktionsform kritisiert, die kein gemeinsames aktivierendes Element haben, zumindest wenn sie schweigend ohne Verknüpfung mit einer gemeinsamen Kundgebung oder Demo stattfinden. Die Mahle-Kollegen brachten ihre Enttäuschung zum Ausdruck, dass auf die drei guten Aktionstage im letzten Jahr nichts Weiteres mehr folgte und so der Schwung der Proteste versandete. Ihre Einschätzung ist, dass die betriebliche Solidarität bröckelt und die IGM kein Interesse an kämpferischer Mobilisierung hat, was sehr bedauert wurde.

Wichtig sei, klassenkämpferische Solidarität und Aktionen zu entwickeln, da genau diese das Klassenbewusstsein und den Zusammenhalt stärken. Dies müsse der Co-Management-Strategie der IGM entgegengesetzt werden, sonst wird die Arbeiterklasse die Verliererin in dieser Krise.

Quelle:

UZ – Unsere Zeit


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