24 | 05 | 2018

Heinz Keßler (1988). Foto: Bundesarchiv, Bild 183-1988-0704-410 / CC-BY-SA 3.0Heinz Keßler (1988)
Foto: Bundesarchiv / CC-BY-SA 3.0
Im Alter von 97 Jahren ist am Mittwoch im Berliner Oskar-Ziethen-Krankenhaus der frühere DDR-Verteidigungsminister Heinz Keßler verstorben. Der einstige Armeegeneral gehörte dem Politbüro der SED an und trug im Herbst 1989 dazu bei, dass der gesellschaftliche Umbruch in der DDR friedlich blieb. Das teilte die Eulenspiegel-Verlagsgruppe am Donnerstag mit.

Keßler gehörte zu den wenigen deutschen Soldaten, die die in der Sowjetunion vorwärtsstürmende Wehrmacht verließ und im Juli 1941 zur Roten Armee übertrat. In der Sowjetunion gründete er zwei Jahre später mit anderen das Nationalkomitee »Freies Deutschland«.

Im sogenannten ersten Politbüroprozess 1994 wurde Keßler wegen des angeblichen »Schießbefehls« an der Grenze zwischen BRD und DDR zu einer siebeneinhalbjährigen Haftstrafe verurteilt. Nach vier Jahren wurde er aus gesundheitlichen Gründen auf Bewährung entlassen.

In den letzten Jahren lebte Keßler in einem katholischen Stift in Berlin-Karlshorst, war aber noch immer politisch aktiv. 2011 kandidierte er bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus auf der Liste der DKP. Zuletzt war er im Berliner Kino »International« Gast der 70-Jahr-Feier der Tageszeitung »junge Welt«, die er einst als Mitbegründer der Freien Deutschen Jugend mit ins Leben gerufen hatte. Er veröffentlichte eine Reihe viel beachteter Bücher, darunter gemeinsam mit Fritz Streletz das Werk »Ohne die Mauer hätte es Krieg gegeben« oder die in mehreren Auflagen erschienenen Erinnerungen »Zur Sache und zur Person«,  deren erste Ausgabe noch während seiner Inhaftierung erschien.

Die Deutsche Kommunistische Partei würdigte Keißler in einem Nachrif unter der Überschrift »Die Sache aufgeben, heißt sich selbst aufgeben«:

»Unser Genosse Heinz Keßler, ehemaliger Minister für Nationale Verteidigung der DDR und Armeegeneral a. D., geboren am 26. Januar 1920 ist am 2. Mai 2017 in Berlin im hohen Alter von 97 Jahren gestorben.

Arbeitersohn, Maschinenschlosser, Deserteur der deutschen Wehrmacht, Mitgründer des Nationalkomitees Freies Deutschland, Kämpfer der Roten Armee bei der Befreiung vom Faschismus, Mitgründer der Freien Deutschen Jugend, General der einzigen deutschen Friedensarmee, Verteidigungsminister der DDR, vom faschistischen Reichskriegsgericht zum Tode verurteilt und politischer Gefangenen der BRD nach der Annexion der DDR – das sind einige Stationen einer unglaublichen Biographie.

Auf zahlreichen Veranstaltungen seiner Partei, der DKP, und auf den Pressefesten der UZ hat er partei- und klassenorientiert den Besuchern seine Lebenserfahrungen vermittelt.

Heinz Keßler blieb sich und seiner Sache treu, als Antifaschist, Internationalist, Friedenskämpfer und Kommunist. Stets stand er auf der richtigen Seite der Barrikade. Er bleibt ein Vorbild für alle, die den aufrechten Gang üben wollen.

Wir trauern um unseren Genossen Heinz Keßler und werden in seinem Sinne für Frieden und für eine sozialistische Entwicklung weiterkämpfen.«

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