21 | 04 | 2018

radioaktivradioaktivLecks im Sicherheitsbehälter, auslaufendes Beckenwasser, Teilausfall der Kühlung der abgebrannten Brennelemente und tagelanger Ausfall der Notkühlsysteme -- die Rede ist nicht vom Katastrophenmeiler Fukushima, sondern vom AKW Philippsburg 2. In dem Reaktor, der zu den neuesten in Deutschland zählt, kam es nach Informationen der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt in den vergangenen zwei Jahren zu mindestens drei sicherheitsrelevanten Störfällen. Alle drei sind in Absprache mit der Aufsichtsbehörde, dem Umweltministerium Baden-Württemberg, bis heute nicht gemeldet worden. Die CDU-geführte Landesregierung vereinbarte vielmehr mit dem AKW-Betreiber EnBW, die Störfälle unter den Teppich zu kehren – offensichtlich, um die Laufzeitverlängerung für die AKW nicht zu gefährden.

Mahnwache in Düsseldorf. Foto: Grüne NRWMahnwache in Düsseldorf. Foto: Grüne NRWAm heutigen Abend haben Angaben der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt zufolge in 450 Städten im ganzen Bundesgebiet »110.339 Menschen« für die Stilllegung der Atomkraftwerke demonstriert. Zu den Mahnwachen hatte die Organisation erst vor 48 Stunden aufgerufen.

"Mit großem Ärger habe ich die Antwort der Bundesregierung auf meine Frage nach der Abstimmung von Einsätzen ausländischer Spitzel zwischen dem Bundeskriminalamt und dem Land Berlin registriert", kommentiert der Bundestagsabgeordnete Andrej Hunko ein entsprechendes Schreiben des Innenministeriums.

Atomausstieg jetzt!Atomausstieg jetzt!Noch vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg könnten die beiden ältesten noch aktiven Atomkraftwerke in Deutschland abgeschaltet werden. Das geht aus einer Erklärung von Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montag in Berlin hervor. Die Regierungschefin hatte die von der Bundesregierung erst im Herbst durchs Parlament gepeitschte Verlängerung der AKW-Laufzeiten für drei Monate »ausgesetzt«, da man nach der Atomkatastrophe in Japan »nicht einfach zur Tagesordnung übergehen« könne. Eine Konsequenz aus diesem Schritt sei, die AKW abzuschlaten, die nur infolge der Entscheidung vom Herbst noch am Netz sind. »Sonst wäre es ja kein Moratorium«, so Merkel. Konkret betrifft das die Atomkraftwerke Neckarwestheim I und Biblis A.

Atomausstieg jetzt!Atomausstieg jetzt!Umweltorganisationen, Anti-Atom-Initiativen und weitere Verbände rufen zu zahlreichen Protesten gegen den Weiterbetrieb der Atomkraftwerke in Deutschland auf. In den nächsten Tagen und Wochen wird es einen Wechsel von regionalen und überregionalen Demonstrationen und Aktionen geben. Bereits am heutigen Montag wird in voraussichtlich 400 Orten demonstriert. Am Samstag, 26. März, soll es dann in drei bis fünf Großstädten in allen Teilen der Republik, darunter Berlin, Hamburg und Köln, Großdemonstrationen geben. Für den 9. April ist ein weiterer dezentraler Aktionstag geplant. Und schließlich wird es am Ostermontag, dem 25. April, anlässlich des 25. Jahrestags der Tschernobyl-Katastrophe an 13 Atomkraftwerken und Atommüll-Standorten Großdemonstrationen geben. Dazwischen werde es sicherlich noch zahlreiche weitere lokale und regionale Proteste geben.

AKW-GefährdungsatlasAKW-GefährdungsatlasAngesichts der dramatischen Ereignisse in Japan, wo in mehreren Atomkraftwerken der »atomare Notstand« ausgerufen wurde, stellt die Deutsche Umweltstiftung den von ihr herausgegebenen AKW-Gefährdungsatlas in einer völlig überarbeiteten Neuauflage vor. Er stellt übersichtlich und informativ die unmittelbaren Gefährdungszonen für den Fall einer Kernschmelze in einem deutschen oder grenznahen ausländischen AKW dar, wie sie aktuell in Japan droht. Einzelne AKWs gefährden so laut Umweltstiftung bis zu 18 Millionen Menschen in ihrem Einzugsbereich. Dazu Projektleiter Hans Günter Schumacher: »Besonders gefährdet, teils durch bis zu sechs AKWs in unmittelbarer Nähe, sind die Regionen um Bremen, Südbaden, Nordwürttemberg und die westlichsten Regionen der Bundesländer Saarland, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.«

Satirische Version eines CDU-PlakatsSatirische Version eines CDU-PlakatsDie Katastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima in Folge des verheerenden Erdbebens vom vergangenen Freitag und des folgenden Tsunami wird auch zum GAU (größter anzunehmender Unfall) für die deutschen Atomparteien CDU/CSU und FDP. Ihnen könnte jetzt bei den bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt am kommenden Sonntag, 20. März, sowie vor allem in Baden-Württemberg, wo am 27. März abgestimmt wird, die Verlängerung der Laufzeiten der deutschen AKW auf die Füsse fallen, während sich SPD und Grüne (zu Unrecht) als die Kräfte profilieren können, die »schon immer« für einen Atomausstieg waren. Bei den Parteien der Bundesregierung ist deshalb nun hektische Aktivität ausgebrochen, um durch Aktionismus die drohende Wahlkatastrophe noch abzuwenden.

Bettina JürgensenBettina JürgensenDie Nachrichten aus Japan sind widersprüchlich und nach wie vor Besorgnis erregend. Noch ist das ganze Ausmaß der Lage nicht bekannt. Wir fühlen uns verbunden mit den Menschen in den betroffenen Regionen, die infolge des schweren Erdbebens und des folgenden Tsunamis ihre Angehörigen verloren haben und sich jetzt um ihre Zukunft und die ihrer Kinder sorgen.

Mahnwachen an über 250 OrtenMahnwachen an über 250 OrtenFür die heutigen Abendstunden kündigt sich ein neuer Rekord-Protest der Anti-AKW-Bewegung in Deutschland an. In bisher 253 Städten und Gemeinden sind Mahnwachen geplant (Stand um 07:15 Uhr). Die Atomkraftgegner wollen einerseits den Opfern der Katastrophen in Japan gedenken, andererseits Konsequenzen für die Atompolitik einfordern. Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt: »So etwas hat es noch nie gegeben: Samstag mittag haben wir über das Internet den Aufruf zu Mahnwachen verbreitet und innerhalb von weniger als 48 Stunden wurden in hunderten Orten Aktionen organisiert. Das zeigt, wie groß die Betroffenheit über die Ereignisse in Japan ist. Aber es zeigt auch, auf was sich die Bundesregierung einstellen muss, wenn sie am Weiterbetrieb der Atomkraftwerke festhält.«

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