20 | 05 | 2019

Genaue Statistiken, die sich mit den alljährlichen Bewegungen auf dem Arbeitsmarkt befassen, gibt es hierzulande kaum. So dass man sich nur schwer ein Bild darüber machen kann, in welchen Wirtschaftssektoren die Fluktuation am größten ist, wo echte oder nur fiktive Arbeitsplätze geschaffen werden, in welchen Branchen Stellen vernichtet oder neu geschaffen werden, was bei Neueinstellungen den Ausschlag gibt?


Auch nach genauen Zahlen, wo und wie viele Arbeitsplätze in Wirklichkeit allein infolge der kapitalistischen Finanz- und Wirtschaftskrise abgebaut wurden, sucht man vergeblich. So lange dies nicht der Fall sein wird, bleibt der Verdacht bestehen, dass die Krise von vielen Firmen gezielt dazu genutzt wurde, die Arbeitsbedingungen zu verschlechtern und die Lohnmasse zu senken.

Tatsache ist, dass die Lohnskala seit Jahren stagniert – mancherorts sogar nach unten zeigt –, die Schaffenden über Reallohnverluste zu klagen haben, Einstiegslöhne gekürzt, Lohntabellen, die Betriebszugehörigkeit und Berufserfahrung berücksichtigen, außer Kraft gesetzt wurden. Hinzu kommt, dass Prämien gestrichen und Überstunden immer seltener entlohnt werden.

Aus den Betrieben hört man, dass Arbeitsuchende zunehmend nur mehr mit Zeitverträgen eingestellt werden – des Öfteren ohne dabei an die kollektivvertraglichen Abmachungen gebunden zu sein – und Arbeitsverträge nach Ablauf der Probezeit immer häufiger nicht verlängert werden. Eine Vorgehensweise, die nicht nur dazu dient, den Druck auf zeitbegrenzte neue Mitarbeiter spürbar zu erhöhen, sondern auch als Folge hat, dass ein immer größerer Teil der Belegschaft mit Niedriglöhnen abgespeist wird.

Doch nicht allein die degressive Lohnentwicklung bereitet den arbeitenden Menschen und ihren Gewerkschaften berechtigte Sorgen. Auch die Arbeitsbedingungen haben sich spürbar verschlechtert. So haben Flexibilisierung und Deregulierung der Arbeitszeitorganisation inzwischen Formen angenommen, dass sowohl der 8-Stundentag wie auch die 40-Stundenwoche in vielen Sektorten nur mehr reine Theorie sind, im Voraus aufgestellte Schichtenpläne zum Leidwesen der Schaffenden immer seltener wie geplant eingehalten werden, die Wochenendarbeit ständig wächst. In vielen Betrieben sind die Posten heutzutage nämlich dermaßen knapp berechnet, dass Überstunden und Mehrarbeit praktisch zur Normalität geworden sind – ohne dass den Betroffenen allerdings Zuschüsse hierfür bezahlt würden.

Auch nehmen Beschwerden zu, dass das Patronat immer häufiger willkürlich über Ruhepausen, Ruhetage sowie über den gesetzlichen Urlaub seiner Mitarbeiter verfügt. Es handelt sich nämlich nicht mehr nur um Einzelfälle, dass Arbeiter, die in den Augen ihres Vorgesetzten angeblich nicht ausreichend ausgelastet sind, nach Hause komplimentiert werden und die aufgezwungenen Fehlstunden als Urlaub verrechnet bekommen. Was so nicht weiter hingenommen werden kann, weil es die Regel sprengt, dass Urlaubszeiten eigentlich so weit wie möglich gemäß den Wünschen des Arbeiters festzulegen sind.

Probleme, die allesamt belegen, dass die vom Patronat geforderte Flexibilisierung und Deregulierung der Arbeitszeitregelung bislang voll und ganz zu Lasten der Beschäftigten ging.

Damit muss Schluss sein. Mitspracherecht sieht anders aus.

gilbert simonelli

Quelle:

Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

Real time web analytics, Heat map tracking

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie fortfahren, ohne die Einstellungen Ihres Browsers anzupassen, wird davon ausgegangen, dass Sie alle Cookies dieser Webseite empfangen möchten. Sofern Sie die Cookies dieser Webseite ablehnen oder löschen möchten, können Sie dies in den Einstellungen des Browsers tun. Beachten Sie aber, dass die Bedienbarkeit der Webseite damit eingeschränkt sein kann.