15 | 12 | 2019

Der vom Patronat bei jeder sich bietenden Gelegenheit geforderte Ausbau von Flexibilisierung und Deregulierung der Arbeitszeitorganisation ist hierzulande in vielen Wirtschaftssektoren längst Realität, wobei die daraus resultierenden Unannehmlichkeiten seit Jahren schon zu Lasten der arbeitenden Menschen gehen.

Ob im Reinigungswesen, Handel, Transportwesen, Handwerk, oder Dienstleistungswesen – um nur diese Sektoren zu nennen – wissen die Beschäftigten, was es heißt, immer dann präsent sein zu müssen, wenn es der Betrieb verlangt. Häufig wechselnde oder längere Arbeitszeiten, in letzter Minute abgeänderte Schichtpläne und völlig unregelmäßige Antrittszeiten gehören dort inzwischen genauso zum Arbeitsalltag wie allgegenwärtiger Personalmangel, Mehrarbeit, nicht vergütete Überstunden, gekürzte Ruhepausen oder gestrichene freie Tage.

Aus zahlreichen Betrieben hört man, dass zu Lasten der Schaffenden immer häufiger gegen Arbeitsrecht und ausgehandelte Kollektivverträge verstoßen wird. Die Gier nach höchstmöglicher Profitmaximierung ist den Unternehmern halt wichtiger als das Wohlergehen »ihrer« Mitarbeiter.

Erleichtert wird die zunehmende Rücksichtslosigkeit des Patronats vielfach auch deshalb, weil in den Betrieben die Lohnabhängigen nur noch selten versuchen, sich mit der nötigen Entschlossenheit gegen anstehende oder bereits aufgezwungene Verschlechterungen zur Wehr zu setzen. Schließlich wirken die vielen Arbeitslosen und die nicht abreißen wollenden Hiobsbotschaften – Postenabbau, Lohnkürzungen, Versetzungen, Konkurse, usw. – wie ein Damoklesschwert über den Beschäftigten.
Was auch erklären dürfte, wieso seit Jahren schon prekäre Arbeitsverhältnisse auf dem Vormarsch sind, die Zahl der Niedriglohnverdiener immer größer wird, neue Mitarbeiter bei ihrer Einstellung immer seltener unbefristete Arbeitsverträge erhalten, Überstunden zunehmend geleistet werden, allerdings immer seltener als solche betrachtet werden – und bei der rezenten Reform des PAN-Gesetzes die Flexibilisierung weiter ausgebaut wurde. Die Referenzperiode zur Regelung und Berechnung von Arbeitszeiten und Überstunden wurde auf Wunsch des Patronats praktisch widerstandlos von einem auf vier Monate erweitert.

Fakt ist, dass die einstige »Wunderpille« – sie wurde bekanntlich »Flexicurity« genannt –, an der im Interesse des Finanz- und Großkapitals während vielen Jahren in den Brüsseler Denkfabriken des Kapitals« gebastelt wurde, die Gewerkschaften damals jedoch nicht zu schlucken bereit waren, den arbeitenden Menschen heute tropfenweise über Umwege verabreicht wird.

Nicht von der Hand zu weisen ist deshalb, dass unter diesen Umständen auch die im Sektor Handel geführten Diskussionen im Streit um die von Patronatsseite geforderte völlige Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten am Ende doch noch in die falsche Richtung führen könnten. Zumal der neue DP-Minister für die Wünsche der Unternehmer nicht nur ein, sondern gleich beide Ohren offen zu haben scheint.
Anders die Position des OGB-L. Für ihn ist eine völlige Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten inakzeptabel, da sie für die Beschäftigten, die schon heute kaum noch in der Lage sind, Beruf, Familie und Freizeit unter einen Hut zu bekommen, katastrophale Folgen hätte.

Das wird nur abzuwenden sein, wenn der Großteil der Beschäftigten Bereitschaft zeigt, die Gewerkschaften im Kampf gegen die Patronatsforderungen entschlossen und mit aller Kraft zu unterstützen. Ganz nach dem Motto »Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt!«

gilbert simonelli

Quelle:

Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

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