Donnerstag, 30. März 2017
Solidaritätsanzeige

Junger Schuheputzer in Santa Cruz de la Sierra, Bolivien. Foto: Alberto... / flickr.comJunger Schuheputzer in Santa Cruz de la Sierra, Bolivien. Foto: Alberto... / flickr.comMit einer Pressemitteilung hat die bolivianische Botschaft am Montag auf das Aufsehen reagiert, das in Deutschland die Legalisierung von Kinderarbeit in dem südamerikanischen Land ausgelöst hat. In dem Statement erläutert die diplomatische Vertretung des Plurinationalen Staates, dass das neue Gesetz es Minderjährigen unter 14 Jahren erlaubt, in Bolivien legal zu arbeiten. Der/die Minderjährige muss demnach freiwillig arbeiten, braucht die Erlaubnis der Eltern und zusätzlich die Genehmigung eines »Verteidigers der Familie«, eines Behördenvertreters.

Wir dokumentieren nachstehend den Wortlaut der Presseerklärung: »Am 2. Juli verabschiedete das bolivianische Parlament ein Gesetz, das die Arbeit von Mädchen und Jungen ab zehn Jahre erlaubt;  bisher lag das Mindestalter bei 14 Jahren.  Aus Gründen der Armut, weil sie Waisen sind, oder auch aufgrund von Gewalt in der Familie  sind auch in Bolivien viele Minderjährige dazu gezwungen, zum Familieneinkommen beizutragen.

 

Das neue Gesetz schreibt allerdings vor, dass die Kinder freiwillig arbeiten und sowohl die Eltern als auch eine Art Familienhelfer ausdrücklich zustimmen müssen. Danach prüft auch noch das Arbeitsministerium den Antrag, erläutert Senator Adolfo Mendoza, einer der Initiatoren der Gesetzesnovelle.

AUSBEUTUNG DER MINDERJÄHRIGEN VERHINDERN

In Ausnahmefällen können nun Kinder ab zehn Jahren selbst ihr Geld verdienen. Das Gesetz verlangt allerdings, dass diese Arbeit weder die physische noch die psychische Gesundheit des Kindes gefährdet, um die Ausbeutung der Kinder zu verhindern.

Seit vielen Jahren kämpft die Vereinigung der Jungen, Mädchen und heranwachsenden ArbeiterInnen von Bolivien, UANATSBO, für eine differenziertere Sichtweise der Kinderarbeit. Die Kinderarbeiter(innen)-Gewerkschaften verlangten eine Gesetzesänderung, sie verlangten das Mindestalter von zehn Jahren bei selbstständiger Arbeit und zwölf Jahre für abhängig Beschäftigte. Sie verlangen auch einen Zensus der minderjährigen Arbeiter/innen und deren speziellen Schutz um eine Arbeit in Würde  zu garantieren.

“Viele Kinder unterscheiden zwischen Zwang und Notwendigkeit. Wenn die Arbeit für die sie selbst oder für ihre Familie notwendig ist und sie nicht zur Arbeit gezwungen werden, dann ist das vielleicht nicht immer angenehm,  aber es ist einfach etwas anderes“;  erklärt der emeritierte Soziologie Professor Manfred Liebel von der TU Berlin; er ist Berater von UNATSBO.

Diese Reform versucht dabei zu helfen, die extreme Armut in Bolivien bis 2025 zu beenden, erläutert der Abgeordnete Javier Zavaleta der Agentur AFP.  Im besten Falle wird sogar schon ab 2020 keine Kinderarbeit mehr notwendig sein.

Die Gesetzesnovelle muss noch von Präsident Evo Morales ratifiziert werden.

Heute müssen weltweit rund 168 Millionen Kinder arbeiten, das sind rund elf Prozent der Kinder auf unserem Planeten.  Je nach Quelle, variieren die Angaben zu Kindern, die in den verschiedenen Ländern arbeiten: In Peru und Bolivien geht man von 20 bis 35 Prozent aus, in Kolumbien, Ecuador und Paraguay sind es zwischen zehn und 17 Prozent , in Argentinien, Brasilien, Chile, Uruguay und Venezuela zwischen  fünf und acht Prozent. Rund 850.000 Minderjährige in Bolivien arbeiten und gehen nicht zur Schule.

DAS VERBOT VON KINDERARBEIT IST NICHT DIE LÖSUNG

In vielen Ländern müssen auch die Jüngsten mithelfen, Geld für die Familie zu verdienen. Die Kinderarbeit sollte nicht generell verboten werden, sondern es kommt auf die jeweiligen Bedingungen an, sagen die Expert/innen.

KINDERARBEIT GUT UND SCHLECHT?

Die Kinderarbeit ist vor allem in Afrika, Asien und Lateinamerika weit verbreitet, dort wo die Armut am Stärksten ist.  Menschenrechtsorganisationen wie Terres des Hommes, die für die Rechte der Kinder und Familien eintreten, lehnen kurioserweise ein generelles Verbot von Kinderarbeit ab. Sie argumentieren, dass es ganz klar zu unterscheiden gilt zwischen der Arbeit, die auf Ausbeutung der Kinder angelegt ist und auf Arbeit der Kinder, wo diese nicht ausgebeutet werden.

»Wir helfen den Kindern, die nicht unter ausbeuterischen Bedingungen arbeiten, damit sie ihre Erträge steigern, sie also mehr Geld in weniger Zeit verdienen können und damit mehr Zeit für die schule haben oder um auszuruhen«, erklärt Barbara Küppers, Direktorin für Rechte der Kinder bei   Terres des Hommes. Die Expertin versichert, dass es auch Orte auf der Welt gibt, vor allem im ländlichen Bereich, wo die Kinder nicht leiden, obwohl sie Geld beitragen müssen für den Lebensunterhalt.  Wichtig ist, dass die Kinder neben ihrer Arbeitswelt auch noch Zeit und Raum haben für ihre Schulbildung, fügt Frau Küppers hinzu.

Quelle: Botschaft des Plurinationalen Staates Bolivien in Deutschland / RedGlobe

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