Montag, 24. April 2017
Solidaritätsanzeige

Frauen und Kinder in El Salvador. Foto:  Alison McKellar / flickr.comDas in El Salvador bestehende totale Abtreibungsverbot führt zum Tod Hunderter Frauen und Mädchen. Sie müssen sich heimlichen, unsicheren Abtreibungen unterziehen oder sind gezwungen, gesundheitsgefährdende Schwangerschaften auszutragen. Darauf hat die Menschenrechtsorganisation Amnesty International am heutigen Donnerstag in einem in dem zentralamerikanischen Land unter dem Titel »On the brink of death: Violence against women and the abortion ban« festgestellt. »Die Situation von Frauen und Mädchen in El Salvador ist schockierend. Ihnen wird das Recht genommen, über ihren eigenen Körper zu entscheiden«, kommentierte dies  die Lateinamerika-Expertin von Amnesty in Deutschland, Maja Liebing.

 

Das absolute Abtreibungsverbot trifft sogar Frauen, deren Leben durch die Schwangerschaft gefährdet ist und stellt sie vor eine unmögliche Wahl: Eine lange Gefängnisstrafe, wenn sie die Schwangerschaft abbrechen, oder ihr Todesurteil zu unterzeichnen, falls sie es nichts tun.

Der Bericht dokumentiert Fälle, in denen Frauen, die Fehlgeburten erlitten haben, angeklagt und zu jahrzehntelanger Haft verurteilt wurden. María Teresa Rivera (Pseudonym), die bereits ein fünfjähriges Kind hatte, ist ein solcher Fall. Sie wurde nach einer Fehlgeburt wegen Mordes angeklagt und zu 40 Jahren Haft verurteilt. Rivera hatte nichts von ihrer Schwangerschaft gewusst, bis sie am Arbeitsplatz zusammenbrach. Sie wurde von ihrer Schwiegermutter blutend in der Toilette gefunden und sofort ins Krankenhaus gebracht. Nachdem ein Angestellter die Polizei alarmierte, verhörten sie Polizisten, ohne dass sie einen Anwalt hinzuziehen konnte. Im Juli 2012 wurde sie angeklagt und wegen schweren Mordes verurteilt – trotz eines erheblichen Mangels an Beweisen. Ihr Sohn wird 45 Jahre alt sein, wenn sie ihre Strafe abgesessen hat.

Ein Großteil der Betroffenen, die Amnesty für den Bericht befragte, gehört zu den Ärmsten der Gesellschaft. Auch Kinder und Frauen, die Opfer von Vergewaltigungen wurden, sind von dem Abtreibungsverbot nicht ausgenommen. Laut Gesetzgebung muss jede Schwangerschaft ausgetragen werde, auch wenn die körperlichen und psychischen Folgen verheerend sind. Ein Arzt, der ein zehnjähriges Vergewaltigungsopfer behandelte, berichtete Amnesty: »Es war ein sehr schwieriger Fall…sie verstand überhaupt nicht was mit ihr passierte (…) Sie hat uns nach Malstiften gefragt und uns ist das Herz gebrochen. Wir sagten uns: ›Sie ist doch noch ein kleines Mädchen, nur ein kleines Mädchen.‹ Sie verstand nicht, dass sie schwanger war.« Das Mädchen wurde gezwungen, die Schwangerschaft auszutragen.

»Die Abtreibungsgesetzgebung in El Salvador ist Ausdruck einer gesellschaftlich weitreichenden Diskriminierung von Frauen und Mädchen«, sagt Liebing. Frauenfeindliche Vorurteile sind auch im Justizsystem verbreitet, wo manche Richter die Glaubwürdigkeit von Frauen anzweifeln. »Das Versagen der salvadorianischen Regierung gegen die Diskriminierung von Frauen vorzugehen, nimmt Frauen und Mädchen das Recht über ihren eigenen Körper zu entscheiden. Die Regierung weigert sich, Verhütungsmittel und sexuelle Aufklärung zugänglich zu machen. Generationen von jungen Mädchen haben deswegen eine Zukunft vor sich, die von Ungleichheit, Diskriminierung und Angst geprägt ist«, so Maja Liebing.

Amnesty fordert von der Regierung in El Salvador Schwangerschaftsabbrüche zu legalisieren. »Frauen und Mädchen müssen Zugang zu legalen und sicheren Schwangerschaftsabbrüchen haben«, fordert Liebing, »wenn die Schwangerschaft eine Gefahr für das geistige oder körperliche Gesundheit darstellt oder die Folge einer Vergewaltigung ist«.

El Salvador ist eines von sieben Ländern in Lateinamerika, in denen Abtreibungen per Gesetz verboten sind. Zu den Ländern gehören außerdem: Chile, die Dominikanische Republik, Haiti, Honduras, Nicaragua und Surinam. In einigen Ländern, z.B. Chile, wird schon an der Überarbeitung der Gesetze gearbeitet.

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