Donnerstag, 23. März 2017
Solidaritätsanzeige

Kuba

Berichte aus HavannaWie sich die Einkaufsmöglichkeiten der Cubaner von denen der Deutschen unterscheiden
    
Deutschland: Ins Gespräch mit meiner Freundin vertieft, schlängle ich mich durch die Massen, die an einem Mittwochnachmittag das Einkaufszentrum bevölkern. Die Menschen huschen von Geschäft zu Geschäft, auf der Suche nach einer neuen Eroberung, die in ihren vollen Kleiderschränken noch fehlt, nach dem ultimativen Schnäppchen oder dem neusten Produkt auf dem Markt. Kaum jemandem fallen all die Werbeplakate, Blinklichter und Lautsprecherdurchsagen bzw. zum Kauf anregende Musik auf, die diese Gegenstände anpreisen. Auch ich nehme nichts von all dem wirklich wahr. Mein Gehirn hat längst gelernt alles auszublenden, was im Augenblick nicht elementar erscheint. Nur dem Unterbewusstsein werden dann diese riesigen Brocken an Informationsmaterial vorgeworfen.

1501berichte aus havannaKönig Zucker regiert

Der Beginn der Geschichte Cubas wird auf den 27. Oktober 1492 mit der Entdeckung durch Christoph Kolumbus und anschließenden Eroberung durch die spanische Krone datiert. Bald schon nach der Entdeckung Amerikas durch Europa und der darauf folgenden Kolonialisierung (auch Conquista – Eroberung genannt), gab es für die Europäer kein wichtigeres Agrarprodukt als den durch sie in Lateinamerika angebauten Zucker, so wurde beispielsweise der Zucker in Apotheken grammweise abgewogen oder fand im Brautschatz von Königinnen als Mitgift seinen Platz. Durch die Anstrengungen beim Abbau von Gold, Strafexpeditionen und eingeschleppten Infektionskrankheiten wurde die Einwohnerzahl der indigenen Bevölkerung bereits zu Beginn der Conquista erheblich dezimiert, von 112000 auf 893 Indigenos auf der gesamten Insel.

Amboss oder HammerRedGlobe hatte am gestrigen Donnerstag die Gelegenheit, die Vorstellung des Buches »Amboss oder Hammer« von Volker Hermsdorf und Hans Modrow in der Ladengalerie der Tageszeitung junge Welt live übertragen zu dürfen. Nun steht auch die Aufzeichnung des Livestreams zur Verfügung, den wir Euch natürlich nicht vorenthalten wollen. Er enthält in knapp zwei Stunden die gesamte Diskussion zwischen den beiden Buchautoren mit jW-Chefredakteur Arnold Schölzel sowie die anschließende Fragen- und Antworten-Runde.

Berichte aus HavannaEgal ob man fern sieht, eine Zeitung aufschlägt oder Radio hört, überall in Cuba erfährt man, dass im April 2015 die Kommunalwahlen anstehen.

Wahlen? In Cuba? Egal ob wir auf der Seite des Auswärtigen Amts nachsehen, in unseren Reise- und Sprachführern blättern oder uns an Berichte der deutschen Medien über Cuba erinnern, überall hieß es doch, dass die kommunistische Partei (PCC) hier den Ton angibt, dass Cuba eine Diktatur ist und von Obama bis Merkel alle Demokratie und Menschenrecht auf die Karibikinsel tragen wollen. Von demokratischen Wahlen war nie die Rede.

Uns gab dies genug Anlass, um uns mal genauer mit dem cubanischen Wahlsystem auseinanderzusetzen.

Ja, Wahlen in Cuba!

Maradona mit dem Brief Fidels. Foto: CubadebateMit einem Brief an den früheren Fußballstar Diego Armando Maradona hat sich Fidel Castro wieder einmal zu Wort gemeldet – und damit zugleich die in den vergangenen Wochen gestreuten Gerüchte um seinen angeblichen Tod dementiert. Der argentinische Sportler hält sich derzeit in Havanna auf, um eine neue Staffel seiner Sendereihe »De Zurda« zu produzieren, die die bevorstehende Copa América in Chile zum Thema hat. Im vergangenen Jahr hatte Maradona auf diese Weise über die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien informiert.

Gema, Adriana und Gerardo glücklich in Havanna. Foto: Estudio RevoluciónDas Kind, das es nach dem Willen der extremen Rechten in den USA nicht hätte geben dürfen, ist da. Am 6. Januar um 8.30 Uhr Ortszeit wurde in Havanna Gema geboren, die Tochter des erst am 17. Dezember aus der Haft in den USA zurückgekehrten Gerardo Hernández und seiner Frau Adriana Pérez, die ihren Mann 16 Jahre lang nicht hatte besuchen dürfen. Die Bilder der hochschwangeren Adriana, die ihren Mann überglücklich in die Arme schloss, hatten denn zunächst auch für Überraschung und Spekulationen gesorgt. So spekulierte der spanischsprachige US-Fernsehsender Univisión über heimliche Besuche Adrianas im Gefängnis bei ihrem Mann, die das »kubanische Regime« unter den Augen der US-Behörden arrangiert habe. Tatsächlich aber hatte das FBI jeden Besuch Adrianas in den Vereinigten Staaten verweigert, weil sie eine »Gefahr für die nationale Sicherheit« sei.

Berichte aus HavannaJa, wir reden noch immer über Ebola, denn auch wenn immer weniger davon berichtet wird bedeutet das nicht, dass es weniger aktuell sei. Das Virus weist eine Todesrate von 49,4% auf. Bisher sind laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) mehr als 5100 Menschen an den Folgen einer Infektion mit dem Ebola-Virus in verschiedenen Ländern, vor allem in Sierra Leone, Guinea, und Guinea Conakry gestorben und zahlreiche Menschen vom behandelnden Personal infiziert.  Das Kernproblem  ist, dass es nach wie vor zu wenig Spezialisten vor Ort gibt, um die  Ausbreitung des Virus effektiv zu bekämpfen. Es wird derzeit in mehreren Ländern intensiv an einem Medikament gegen Ebola geforscht. Die WHO rief bereits im August die Länder der Welt zur Unterstützung auf, woraufhin der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages beschloss, die deutsche Ebola-Hilfe von 17 auf 102 Millionen Euro aufzustocken. Soweit die Ausgangssituation.

Mutter und Kind kurz nach der Geburt. Foto: Ladyrene Pérez/ CubadebateMutter und Kind kurz nach der Geburt. Foto: Ladyrene Pérez/ CubadebateKuba feiert einen weiteren Erfolg: Die Kindersterblichkeit auf der Insel bleibt so niedrig wie nie zuvor in der Geschichte des Landes und gehört zu den besten Ergebnissen weltweit. Von 1000 lebend geborenen Säuglingen starben im vergangenen Jahr 4,2. Die selbe Ziffer konnten die kubanischen Behörden bereits im Vorjahr vermelden. Die niedrigsten Raten verzeichneten die Provinzen Cienfuegos, Pinar del Río und Villa Clara mit 3,0 bis 3,2. In 24 Bezirken des Landes wurde kein einziger Todesfall registriert.

Berichte aus HavannaBerichte aus HavannaIm Stadtteil Vedado von Havanna, nah der angesagten 17. Straße, sitzt John Lennon auf einer Bank – zumindest könnte man das denken, wenn man Nachts aus dem Club „Submarino Amarillo“ (Yellow Submarine) stolpert.  Steht man tagsüber vor der lebensgroßen Bronzestatue, erhebt sich ein alter Mann von der Bank nebenan, nähert sich mit langsamen Schritten und setzt John Lennon eine Brille mit den typischen runden Gläsern auf. Das ist sein Job, dafür wird er bezahlt.

Er ist wahrscheinlich einer der 2 Millionen Cubaner, die als unproduktiv* eingestuft worden sind und im Rahmen der Wirtschaftsaktualisierungen andere Beschäftigungen bekommen sollen, wie uns Oscar Martinez in unserem Gespräch mit ihm berichtete. Bei insgesamt 11 Millionen Einwohnern auf der Insel, ist das schon eine schockierende Zahl. Als dieses Vorhaben der cubanischen Regierung bekannt wurde, tönte es in den deutschen Medien, Cuba würde Massenentlassungen durchführen wollen – das ist natürlich Quatsch. Im Kapitalismus wäre das tatsächlich so, denn da sprechen wir von der Anarchie der Produktion, also der Tatsache, dass die Art der Produkte und ihre Mengen, nicht durch die Bedürfnisse der Bevölkerung bestimmt werden, sondern der Profitgier, der Willkür der unternehmerischen Entscheidung entstammen. So trifft die Entscheidung über die Einstellung oder Entlassung von Arbeitern auch ein einzelner Unternehmer, hier ebenfalls willkürlich, getarnt als kontrollierten Akt durch den Markt.

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