Donnerstag, 30. März 2017
Solidaritätsanzeige

Rede vor leeren Stühlen: Federico FrancoFast zwei Drittel der Mitgliedsstaaten der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) haben am Freitag (Ortszeit) eine Ansprache des de-facto-Staatschefs von Paraguay, Federico Franco, boykottiert. Die protokollarische Sitzung des Ständigen Rates in Washington war vom Sekretariat der OAS gegen den Protest mehrerer Mitgliedsstaaten zu Ehren von Francos Besuch bei der Organisation einberufen worden. Im vergangenen Juni war in Paraguay der demokratisch gewählte Präsident Fernando Lugo in einem Schnellverfahren gestürzt worden, das von den meisten Ländern des Kontinents als »parlamentarischer Staatsstreich« verurteilt wurde. Die Union Südamerikanischer Nationen (UNASUR) und der Gemeinsame Markt des Südens (MERCOSUR) haben die Mitgliedschaft von Paraguay bis zur Wiederherstellung demokratischer Verhältnisse suspendiert.

 

Gegen die Einladung Francos hatten Venezuela, Bolivien, Nicaragua und Ecuador in einer offiziellen Note protestiert. In dem von Boliviens Botschafter Diego Pary veröffentlichten Schreiben heisst es, die Diskussion in der OAS um die Lage in Paraguay sei noch nicht abgeschlossen: »Wir erklären unseren ernsten Protest gegen die Durchführung der protokollarischen Sitzung sowie die Erklärungen des Herrn Federico Franco und teilen mit, dass wir an der genannten Sitzung nicht teilnehmen und unsere Sitze leer bleiben werden.«

21 der 34 Mitgliedsstaaten der OAS folgten diesem Boykottaufruf, so dass sich nur die Repräsentanten von Kanada, Costa Rica, Mexico, USA, Barbados, Guatemala, Honduras, Bahamas, Trinidad und Tobago, Belize, St. Kitts und Nevis, Panama sowie von Paraguay selbst im »Salon der Amerikas« der OAS einfanden.

Anlass für den wütenden Protest der südamerikanischen Staaten gegen Franco waren nicht nur die undemokratischen Zustände in Paraguay, sondern auch Äußerungen des de-facto-Staatschefs bei einem Besuch in Madrid in der vergangenen Woche. Dort hatte er den Tod des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez als »Wunder« bejubelt. Venezuelas Außenminister Elías Jaua hatte ihn daraufhin als »menschlichen Abschaum« bezeichnet. Nun versuchte Franco, zurückzurudern. Er sei missverstanden worden, Venezuelas Außenminister sei vielleicht nicht richtig informiert worden, behauptete er. Er habe niemandem den Tod gewünscht, allerdings feststellen müssen, dass die Tatsache, dass Chávez nicht mehr an der Spitze Venezuelas stehe, die Beziehungen zwischen beiden Ländern verändern werde.

Caracas hatte den Putsch in Paraguay besonders scharf kritisiert und mit einer Einschränkung seiner Erdöllieferungen reagiert. Daraufhin war Präsident Chávez vom Regime in Asunción heftig attackiert worden. Außenminister Venezuelas zu diesem Zeitpunkt war Nicolás Maduro, derzeit geschäftsführender Staatschef des Landes und sehr wahrscheinlich am 14. April Sieger der Präsidentschaftswahl.

Kritik an den Äußerungen Francos kam auch von der paraguayischen Oppositionspartei Frente Guasú. Deren Sprecher Ricardo Canese erklärte, der de-facto-Staatschef habe durch seine Worte »seinen faschistischen Geist« offengelegt. Das Volk von Paraguay sei Hugo Chávez und Venezuela sehr dankbar und schäme sich dafür, dass eine in diesem Land geborene Person zu solchen Worten fähig sei.

Real time web analytics, Heat map tracking

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie fortfahren, ohne die Einstellungen Ihres Browsers anzupassen, wird davon ausgegangen, dass Sie alle Cookies dieser Webseite empfangen möchten. Sofern Sie die Cookies dieser Webseite ablehnen oder löschen möchten, können Sie dies in den Einstellungen des Browsers tun. Beachten Sie aber, dass die Bedienbarkeit der Webseite damit eingeschränkt sein kann.