Freitag, 24. März 2017
Solidaritätsanzeige
Mit Mario Benedetti verstarb am 17. Mai 2009 einer der bedeutendsten Schriftsteller Uruguays. Benedetti hinterlässt ein umfangreiches Werk an Lyrik, Romanen, Theaterstücken und journalistischen Artikeln, aber auch ein politisches Vermächtnis. Als Mitbegründer und Anführer der marxistisch-leninistischen "Bewegung der Unabhängigen 26. März" (1971) vertrieb ihn die faschistische Militärdiktatur ab 1973 für über ein Jahrzehnt ins argentinische, kubanische und spanische Exil. Zuletzt unterstützte Benedetti das progressiv-linke Bündnis "Frente Amplio", das Sozialdemokraten, Kommunisten, die ehemalige Guerilla der Tupamaros und selbst linke Christdemokraten unter seinem Dach vereint und seit 2005 in Montevideo die Regierung führt. Schon seit Ende der 1940er Jahre galt Benedetti als ausgewiesener Gegner des Imperialismus und später als engagierter Verteidiger der kubanischen Revolution, in den letzten Jahren auch der venezolanischen Revolution.

Benedettis politisches Engagement gegen den Imperialismus und Militarismus und für den Sozialismus kam nicht von irgendwo, sondern aus der erlebten Realität Lateinamerikas, das unter neokolonialer Unterdrückung und kapitalistischer Ausbeutung leidet. Er musste seine Schullaufbahn verfrüht abbrechen, weil seinen Eltern die nötigen finanziellen Mittel fehlten. Mit gerade einmal 14 Jahren musste er ab 1934 in einem Werk für Autoersatzteile eines US-Konzerns arbeiten, ehe er 1945 zum Journalismus kam und einer der wichtigsten Redakteure der Wochenzeitung "Marcha" wurde, wo später auch Eduardo Galeano tätig war. In den folgenden Jahren arbeitete er auch für mehrere Literaturzeitschriften und begann selbst seine große literarische Karriere. Benedetti trat zunächst mit Gedichtbänden in Erscheinung, 1960 bedeute der Roman "Die Gnadenfrist" seinen internationalen Durchbruch. Der in zwölf Sprachen übersetzte Roman wurde in seiner argentinischen Verfilmung als "Der Waffenstillstand" 1975 für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert. In die Schaffensperiode vor dem Exil fallen u.a. noch die Romane "Danke für das Feuer" (1965) und "Der Geburtstag des Juan Angel" (1971).

Mit dem Militärputsch 1973 verlor Benedetti auch seine Stelle als Direktor der Abteilung für lateinamerikanische Literatur an der Universität von Montevideo. Als erklärter Marxist-Leninist musste er Uruguay verlassen und übersiedelte zuerst an das gegenüberliegende Ufer des Rio de la Plata, nach Buenos Aires. Als es auch in Argentinien 1976 zum Militärputsch kam, zog Benedetti weiter nach Kuba, wo er mit Haydee Santamaría das Kulturinstitut "Casa de las Américas" führte. Von 1980 bis 1983 lebte er in Spanien, wo er als Essayist für die linksliberale Zeitung "El País" tätig war. Literarisch war die Zeit des Exils und der Militärdiktatur in Uruguay (und auch danach) eben von diesen Erfahrungen geprägt. Benedetti verfasste u.a. das Theaterstück "Pedro und der Hauptmann" (1979) sowie die Romane "Frühling im Schatten" (1982) und "Auf den Feldern der Zeit" (1984), daneben unzählige Gedichte und Erzählungen.

Nach seiner Rückkehr nach Uruguay, mit dem Ende der Militärdiktatur, wurde Benedetti beim Nachfolgeprojekt der Zeitung "Marcha", die 1973 verboten worden war, "Recha", wieder journalistisch tätig, aber auch das literarische Werk fand bedeutende Fortsetzungen, so z.B. mit dem Roman "Das Mädchen und der Feigenbaum" (1992). Zuletzt, im September 2008, erschien der Gedichtband "Zeuge seiner selbst". Ob die noch in Arbeit befindliche "Biografie für eine Selbstbegegnung", ebenfalls eine Lyriksammlung, nun posthum veröffentlicht wird, ist offen. International gewürdigt wurde Benedetti bereits zuvor ausgiebig, mit Literaturpreisen und sonstigen Auszeichnungen aus aller Welt.

Der Leichnam Benedettis wird nun im Parlament in Montevideo aufgebahrt, auf dass die Bevölkerung Abschied nehmen kann. Diese, die Bevölkerung Uruguays nämlich, betrachtete Benedetti als einen ihrer wichtigsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, wusste ihn aber auch als linken Intellektuellen, politischen Aktivisten und moralische Instanz zu schätzen. Es bleibt zu hoffen, dass die bewusstesten politischen Kräfte im uruguayischen Linksbündnis mit Unterstützung der Bevölkerung konsequent Benedettis markierten Weg des Antiimperialismus und der sozialen Revolution fortsetzen können.

Von Tibor Zenker, kominform.at
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