19 | 11 | 2018

Es ist kaum zu glauben wie die Medien über den derzeitigen Konflikt in Südamerika zwischen Venezuela und Kolumbien berichten. Die NZZ schreibt zum Beispiel "Nach Drohgebärden von Venezuelas Staatschef Chávez: Kolumbien bemüht sich um Entspannung" Das Problem dabei ist, dass der Streit zwischen den beiden Ländern von Kolumbien ausgelöst wurde.



Wie so oft hat die Staatsführung von Kolumbien Venezuela beschuldigt FARC und ELN Rebellen in ihrem Staatsgebiet zu tolerieren. Die vorgelegten Beweise waren mehr als zweifelhaft. Zum Beispiel wies die Bolivarische Presseagentur aus Kolumbien darauf hin, daß einige der präsentierten Fotos bereits 2007 auf ihrer Homepage veröffentlicht worden seien und in Kolumbien aufgenommen wurden.

Es ist möglich und sogar wahrscheinlich, dass sich im Grenzgebiet zu Kolumbien Rebellen befinden. Dies ist jedoch schon seit Jahrzehnten so. Kolumbien und auch deren Nachbarländer schaffen es nicht die Grenzen, die im Dschungel verlaufen, komplett zu kontrollieren. Anstatt sich zu bemühen, dass die Rebellen das Land nicht verlassen, will Kolumbien den Konflikt internationalisieren und andere Länder in den Bürgerkrieg hineinziehen.

Oft liest man auch in "unserer" Presse, dass der venezolanische Präsident Hugo Chávez ein Medienspektakel inszeniert um von "innenpolitischen Problemen" abzulenken. Es stimmt, dass im September eine wichtige Wahl für Chávez stattfindet, aber laut neuen Umfragen liegt die Regierungspartei in Führung. Unvorteilhaft ist dieser Konflikt für die Regierungspartei bei den Wahlen im September sicher nicht. Das weiß auch die Führung.
Außer acht gelassen wird aber, dass die kolumbianische Regierung ebenfalls unter Druck steht. Zwar stehen gerade keine wichtigen Wahlen an, aber mehrere Vorfälle bringen den derzeitigen Staatschef in ein schiefes Licht: So hat der Oberste Gerichtshof Kolumbiens die Generalstaatsanwaltschaft des Landes aufgefordert, Ermittlungen gegen Tomás Uribe, den ältesten Sohn des scheidenden Staatschefs Álvaro Uribe, aufzunehmen. Er soll mehreren Abgeordneten des Kongresses Vergünstigungen versprochen haben, wenn sie einer Verfassungsänderung zustimmten. Außerdem wurden rund 200 Kilometer südlich von Bogotá im Gemeindebezirk La Macarena ein Massengrab mit ca. 2000 Leichen gefunden. Verantwortlich dafür war das Militär. Laut Angaben des Militärs handelt es sich bei den Leichen "jedoch nur" um Guerilla-Kämpfer, die in den letzten Jahren umgekommen sind. Menschrechtsgruppen vermuten unter den Opfern der Staatsführung etliche Zivilisten. Ebenso wurden in den letzten 3 Monaten acht Aktivisten der linken Oppositionspartei "Alternative Demokratische Pol (PDA)" getötet. Das sind - meiner Meinung nach - genug triftige Gründe um ein Ablenkungsmanöver zu starten.

Dass sich die venezolanische Regierung über die Entwicklung Sorgen macht ist verständlich. Auch, dass sie dahinter eine Kriegsgefahr sieht ist klar.
Schon 2004 wurden in Caracas mehr als 100 kolumbianische Paramilitärs in venezolanischen Armeeuniformen verhaftet, als sie einen bewaffneten Aufstand vorbereiteten. Nach Angaben des ehemaligen Direktors für Informationstechnologie des kolumbianischen Geheimdienstes DAS, Rafael García, plante der kolumbianische Geheimdienst neben der Ermordung von Hugo Chavez und seinen damaligen Vizepräsidenten José Vicente Rangel, auch die Ermordung von Innenminister Jesse Chacón und Generalstaatsanwalt Isaías Rodríguez, sowie Aktionen in Venezuela, die zum Ziel hatten, die Wirtschaft des Landes zu stören und die Bevölkerung zu verunsichern. Von kolumbianischer Seite seien an den Vorbereitungen der damalige kolumbianische Innenminister Fernando Londoño, der Chef des Geheimdienstes Jorge Noguera, ein Kommandant der rechtsradikalen Paramilitärs und ein kolumbianischer Staatsanwalt beteiligt gewesen. Auch der Putsch 2002, gegen den venezolanischen Präsidenten, wurde nachweislich von den Vereinigten Staaten (der Hauptverbündete Kolumbiens) unterstützt.

Übernommen mit freundlicher Genehmigung von redblog

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