Natalja Poklonskaja in der Komsomolskaja PrawdaAm 11. März meldete sich die neuernannte Staatsanwältin der Krim, Natalja Poklonskaja, mit einer öffentlichen Erklärung zu Wort. Sie unterstrich, dass in der Ukraine ein »verfassungswidriger, bewaffneter Umsturz« stattgefunden habe Sie unterstrich: »Das Recht, die verfassungsgemäße Ordnung in der Ukraine zu bestimmen, oder zu ändern, liegt allein beim Volk und kann weder vom Staat noch von seinen Beamten mit welchen Mitteln auch immer - und sei es mit Blut - usurpiert werden.« RedGlobe dokumentierte die Erklärung der Juristin damals in einer auf Facebook kursierenden Übersetzung (hier klicken). Die Mainstream-Medien fanden das kaum einer Notiz wert – bis jetzt.

 

Im Internet kursierende Bearbeitung der Pressekonferenz von Natalja PoklonskajaAm Freitag veröffentlichte Welt-Online einen Artikel unter der Überschrift »Oberstaatsanwältin der Krim macht Japaner kirre«. Inhalt dieses von einem Jan Vollmer zusammengeschriebenen Beitrags: »Die Japaner sind fasziniert von der neuen Oberstaatsanwältin der Krim. Mit ihrer Mischung aus Manga-Schönheit, Sowjet-Dominanz und Polizei-Fetisch löste Natalia Poklonskaya einen wahren Hype aus.«

Wo hat sich Herr Vollmer wohl die Inspiration geholt? Doch nicht etwa auf den Internetseiten aus dem Reich des Bösen? Auf der Homepage der Stimme Russlands, des offiziellen Auslandssenders aus Moskau, erschien jedenfalls rund drei Stunden eher ein Artikel mit der Überschrift »Japaner verlieben sich ins „Anime“-Gesicht der Krim-Staatsanwältin«.

Daily MirrorSchneller war allerdings der Daily Mirror aus London, der schon am Donnerstag eine ganze Fotoserie der blonden Juristin veröffentlichte: »Meet the stunning new Crimean attorney general who is taking social media by storm«. Das Boulevardblatt veröffentlicht auch gleich eine ganze Reihe von Manga-Versionen  Poklonskajas – und macht zugleich deren japanischen Verehrern wenig Hoffnung. Sie sei »so rot wie ihre Schuhe«, so das Blatt.

Das Konkurrenzblatt Daily Mail versucht krampfhaft, um die Fotos der Dame eine Meldung zu konstruieren: »Putin ernennt glamouröse blonde Russin mit Liebe zu roten High Heels zur neuen Generalstaatsanwältin der Krim«. Datum dieser Überschrift: 20. März 2014 (mit einem Update einen Tag später). Da war  Natalja Poklonskaja schon über eine Woche im Amt. Ist die Mail immer so schnell?

Auch Lateinamerika hat die Staatsanwältin bereits erobert. ElSalvador.com etwa veröffentlicht Privatfotos der »sexy Staatsanwältin« im schwarzen Kleid auf einem roten Sofa.

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Der Ursprung der Privatfotos scheint die Ukraine zu sein, in der Poklonskaja schon seit Jahren als Juristin gearbeitet hatte und wo die Aufnahmen willkommener Anlass für die Putschisten waren, die Staatsanwältin als »frivol« zu kritisieren. Möglich, dass erst dadurch die Japaner auf die 33-jährige aufmerksam geworden sind. Im Gespräch mit dem Fernsehsender Russia Today bestritt sie jedenfalls schon vor einigen Tagen, überhaupt eine Seite in sozialen Netzwerken zu haben. Sie wisse nicht, wie die Fotos ins Netz gelangt seien. Ihr Aussehen sei nie ein Problem gewesen, betonte sie und machte ihre eigene Maxime deutlich: Soll es doch den Gegner ablenken.

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Inzwischen hat es die junge Juristin auch in das Boulevardblatt Komsomolskaja Prawda geschafft. Dieses in Moskau erscheinende, aber im gesamten postsowjetischen Raum verbreitete Blatt ließ Poklonskaja selbst zu Wort kommen. Im Gespräch unterstrich diese noch einmal, sie wolle wegen ihrer Arbeit geschätzt werden, und nicht wegen ihres Aussehens.